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Das Ende des Ersten Weltkriegs markierte einen entscheidenden Wendepunkt für den Nahen Osten, der durch die Einrichtung von Mandaten des Völkerbunds für die Gebiete des ehemaligen Osmanischen Reichs gekennzeichnet war. Diese Mandate, mit denen vor allem Großbritannien und Frankreich betraut wurden, definierten die politische Landschaft der Region neu und legten den Grundstein für viele zeitgenössische Herausforderungen. | |||
Großbritannien, das auf seine imperiale Erfahrung in Indien zurückgreifen konnte, spielte eine herausragende Rolle bei der Neugestaltung des Nahen Ostens. Unter den vergebenen Mandaten war das Mandat für Mesopotamien, den heutigen Irak, besonders bedeutsam. Das an Öl reiche Gebiet war für die wirtschaftlichen und strategischen Interessen Großbritanniens von entscheidender Bedeutung. Die britische Verwaltung im Irak war geprägt von Versuchen, verschiedene ethnische und religiöse Einheiten unter einem Staat zu verschmelzen - ein komplexes Unterfangen, das die Saat für zukünftige Spannungen legte. Das britische Mandat in Palästina hatte ebenfalls weitreichende Auswirkungen. Durch die Einbeziehung der Balfour-Erklärung von 1917, die die Schaffung einer "nationalen Heimstätte für das jüdische Volk" versprach, legte das Mandat den Grundstein für den arabisch-israelischen Konflikt, der die regionale Geopolitik nach wie vor prägt. Die britische Verwaltung dieses Mandats war ein heikles Unterfangen, bei dem zwischen den zionistischen Bestrebungen und den Ansprüchen der einheimischen arabischen Bevölkerung jongliert wurde. Frankreich hingegen erhielt die Mandate über Syrien und den Libanon, wo es Verwaltungen aufbaute, die die kulturelle und politische Entwicklung dieser Länder tiefgreifend beeinflussten. Die französische Politik in diesen Regionen begünstigte häufig bestimmte Gemeinschaften, wie die maronitischen Christen im Libanon, und trug so dazu bei, die fragmentierte politische Landschaft zu formen, die wir heute kennen. | |||
Obwohl diese Mandate ursprünglich dazu gedacht waren, die Gebiete auf Autonomie und Unabhängigkeit vorzubereiten, fungierten sie oftmals eher als Kolonialverwaltungen. Die von den Mandatsmächten gezogenen Grenzen berücksichtigten nicht immer die ethnischen, religiösen und kulturellen Gegebenheiten und führten zur Schaffung von Staaten mit komplexen und manchmal konfliktträchtigen nationalen Identitäten. Die Auswirkungen dieser Mandate sind bis heute spürbar. Die künstlichen Grenzen und Nationalstaaten, die in dieser Zeit geschaffen wurden, waren häufig der Nährboden für interne Konflikte und zwischenstaatliche Spannungen. Diese historischen Ereignisse haben nicht nur den Nahen Osten neu geformt, sondern auch die Theorien der Politik- und Geschichtswissenschaft beeinflusst, indem sie die langfristigen Folgen von Kolonialisierung und Imperialismus sowie die Herausforderungen des Nation-Building in multiethnischen und multikonfessionellen Kontexten beleuchteten. | |||
Der Zweite Weltkrieg spielte eine entscheidende Rolle bei der Konsolidierung der Verwendung des Begriffs "Middle East" (Naher Osten) und der Veralterung des Ausdrucks "Near East" (Naher Osten). In dieser Zeit des weltweiten Konflikts fanden in vielen Regionen Kämpfe statt, u. a. auf dem Balkan und in Nordafrika, Regionen, die nach und nach in die erweiterte Definition des Nahen Ostens einbezogen wurden. | |||
Während des Zweiten Weltkriegs beschränkte sich der Kriegsschauplatz Naher Osten nicht nur auf die Länder, die traditionell mit dieser Region in Verbindung gebracht werden, wie Ägypten, Syrien oder der Irak. Er umfasste auch Konfliktgebiete in Nordafrika, insbesondere den Nordafrikafeldzug, bei dem es zu größeren Zusammenstößen zwischen den Achsenmächten, vor allem Italienern und Deutschen, und den Alliierten, darunter britische, französische und später auch amerikanische Truppen, kam. Figuren wie der britische General Bernard Montgomery und der deutsche Feldmarschall Erwin Rommel wurden für ihre Rollen in diesen Kämpfen berühmt. Die zunehmende Verwendung des Begriffs "Mittlerer Osten" zur Bezeichnung dieser verschiedenen Kriegsschauplätze spiegelte ein breiteres und flexibleres Verständnis der Region wider. Diese geografische Ausweitung wurde auch von den strategischen und logistischen Bedürfnissen der kriegführenden Mächte beeinflusst, für die die Kontrolle über die Seewege und Ressourcen, insbesondere Öl, von entscheidender Bedeutung war. | |||
Infolgedessen wurde der Begriff "Near East", der traditionell die Teile des Osmanischen Reichs bezeichnet hatte, die Europa am nächsten lagen, allmählich außer Gebrauch gesetzt. Nach der Auflösung des Osmanischen Reichs und der Neudefinition der Grenzen und politischen Einheiten in der Region wurde die Unterscheidung zwischen "Near East" und "Middle East" zunehmend irrelevant. So war der Zweite Weltkrieg nicht nur ein Katalysator für geopolitische und territoriale Veränderungen, sondern beeinflusste auch die Terminologie und die Konzeptualisierung der Weltregionen. Das allmähliche Verschwinden des Begriffs "Near East" und die Dominanz des Begriffs "Middle East" im politischen und akademischen Diskurs sind sinnbildlich für diese Veränderungen. | |||
Das zunehmende Engagement der USA im Nahen Osten während und nach dem Zweiten Weltkrieg hat den Begriff "Middle East" (Mittlerer Osten) im internationalen Diskurs gestärkt und verfestigt. Ein bedeutender Meilenstein dieses wachsenden Interesses war die Gründung des "Middle East Institute" in Washington, D.C., das eine entscheidende Rolle bei der Förderung von Studien und des Verständnisses der Region in den USA spielte. Das 1946 gegründete "Middle East Institute" entstand vor dem Hintergrund des wachsenden strategischen und wirtschaftlichen Interesses der USA am Nahen Osten. In dieser Zeit trat Amerika als globale Supermacht hervor und versuchte, seinen Einfluss in strategisch wichtigen Regionen auszuweiten, nicht zuletzt wegen der großen Ölvorkommen. Der Nahe Osten mit seinen Energieressourcen und seiner geopolitischen Schlüsselposition wurde zu einer zentralen Achse der amerikanischen Außenpolitik. | |||
Die Rolle des Middle East Institute bestand darin, Analysen, Informationen und Ratschläge über die Region bereitzustellen und damit die amerikanische Außenpolitik sowie das akademische und öffentliche Verständnis des Nahen Ostens mitzugestalten. Durch die Zusammenführung von Experten, Diplomaten, Akademikern und Praktikern hat das Institut zu einer besseren Einschätzung der politischen, kulturellen, wirtschaftlichen und sozialen Komplexität der Region beigetragen. Das verstärkte Engagement der USA im Nahen Osten nach dem Zweiten Weltkrieg war auch von Schlüsselereignissen geprägt, wie der Truman-Doktrin von 1947, die die sowjetische Expansion eindämmen sollte und eine stärkere Unterstützung der Länder in der Region beinhaltete, und der Gründung des Staates Israel im Jahr 1948, einer Entwicklung, die die regionale Dynamik tiefgreifend beeinflusst hat. Die Entstehung des Middle East Institute und das zunehmende Engagement der USA in der Region stärkten nicht nur den Begriff des Nahen Ostens im geopolitischen Diskurs, sondern signalisierten auch eine Ära signifikanter Veränderungen in der internationalen Politik, in der der Nahe Osten zu einem Brennpunkt des amerikanischen Interesses und der Intervention wurde. | |||
In der Zeit des Kalten Krieges entstand das Konzept des "Großen Mittleren Ostens", eine geografische Erweiterung des traditionellen Begriffs "Naher Osten". Diese Neudefinition wurde von den geopolitischen Strategien und Interessen der damaligen Supermächte, der USA und der Sowjetunion, im Kontext ihrer globalen Rivalität beeinflusst. Der "Große Nahe Osten" umfasst eine weitaus größere Region als die traditionell als "Naher Osten" bezeichnete. Sie erstreckt sich von der Westsahara in Nordafrika bis nach Indien in Südasien und schließt Länder südlich der Sahara wie Äthiopien ein. Diese Ausweitung spiegelt ein breiteres Verständnis der strategischen Herausforderungen und Einflusszonen wider, die über die traditionellen Grenzen des Nahen Ostens hinausgehen. Während des Kalten Krieges war diese erweiterte Region ein Schlüsselterrain für den Kampf um Einfluss zwischen den USA und der UdSSR. Die Supermächte waren in eine Reihe von Stellvertreterkonflikten verwickelt und unterstützten je nach ihren strategischen und ideologischen Interessen verschiedene Regime und Bewegungen. Länder wie Ägypten, Iran, Afghanistan und andere haben in dieser Dynamik bedeutende Rollen gespielt. | |||
Der Begriff "Großer Mittlerer Osten" wurde auch mit neueren politischen Initiativen in Verbindung gebracht, insbesondere mit der amerikanischen Vision nach dem 11. September für eine demokratische und wirtschaftliche Umgestaltung der Region. Diese Vision, die unter der Regierung von George W. Bush gefördert wurde, sah eine Neugestaltung der Politik und der sozialen Strukturen in einem großen Gebiet vor, das nicht nur den traditionellen Nahen Osten, sondern auch Teile Nordafrikas und Südasiens umfasste. Die Verwendung des Begriffs "Großer Mittlerer Osten" spiegelt daher die Veränderungen in der Wahrnehmung und dem politischen Engagement der Weltmächte in der Region wider. Er unterstreicht auch, wie sich geopolitische Konzepte weiterentwickeln und an die globalen politischen und strategischen Realitäten anpassen können. | |||
Die Popularisierung und Ausweitung des Begriffs "Naher Osten" hat Debatten und Überlegungen ausgelöst, insbesondere bei Figuren wie Winston Churchill, die Vorbehalte gegen die manchmal unscharfe und expansive Verwendung dieses Begriffs äußerten. Churchill war sich als zentrale Figur bei der Neufestlegung der Grenzen und der Politik im Nahen Osten nach dem Ersten Weltkrieg besonders bewusst, dass die Komplexität und die regionalen Besonderheiten durch eine zu allgemeine Verwendung des Begriffs "Naher Osten" verschleiert werden könnten. Bei den Vereinten Nationen ist die Verwendung des Begriffs "Western Asia" (Westasien) zur Bezeichnung eines Teils dessen, was viele für den Nahen Osten halten, ein Beispiel für diese Versuche einer präziseren und geografisch orientierten Kategorisierung. Diese Bezeichnung zielt darauf ab, die Region eher auf geografischer als auf politischer oder kultureller Basis zu definieren, und bietet damit eine Alternative zu der stärker belasteten und mehrdeutigen Terminologie des "Nahen Ostens". | |||
Parallel dazu sind die traditionellen und historischen Bezeichnungen für verschiedene Subregionen und geografische Gebiete nicht verschwunden und werden weiterhin verwendet. Begriffe wie "Maghreb" (Nordwestafrika), "Maschrek" (arabischer Nahost), "Anatolien" (asiatischer Teil der Türkei), "Mesopotamien" (historisch bis 1921 für den Irak verwendet) und "Fruchtbarer Halbmond" (Region, die die Levante und Teile Mesopotamiens umfasst) verfügen über einen spezifischen historischen und kulturellen Reichtum. Diese Begriffe spiegeln nicht nur eine besondere Geografie wider, sondern auch unterschiedliche Geschichten, Kulturen und Identitäten. Die Hartnäckigkeit dieser Bezeichnungen unterstreicht die Vielfalt und Komplexität des Nahen Ostens als Region. Sie verdeutlicht die Schwierigkeit, die Vielzahl seiner Merkmale unter einem einzigen Etikett zu erfassen. Sie spiegelt auch einen entscheidenden Aspekt geopolitischer und kultureller Studien wider: die Notwendigkeit, lokale und historische Besonderheiten anzuerkennen und zu respektieren, während man sich mit regionalen und internationalen Fragen befasst. | |||
== | == Die drei strategischen Räume der muslimischen Welt == | ||
[[Fichier:Les trois espaces stratégiques du monde musulman.jpg|350px|vignette|centre|Les trois espaces stratégiques du monde musulman.]] | [[Fichier:Les trois espaces stratégiques du monde musulman.jpg|350px|vignette|centre|Les trois espaces stratégiques du monde musulman.]] | ||
Diese Karte stellt eine strategische Vision der muslimischen Welt dar, die in drei verschiedene Regionen unterteilt ist, welche die Vielfalt und die politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Komplexitäten innerhalb des Islams hervorheben. Die erste Region, das traditionelle Herz des Nahen Ostens, erstreckt sich von Ägypten über die Golfstaaten bis hin zum Iran und Jemen. Dieses Gebiet ist geschichtsträchtig, da es die Wiege der Zivilisation und Schauplatz großer Konflikte wie der arabisch-israelischen Kriege, der iranischen Revolution von 1979 und der Golfkriege war. Diese Gebiete stehen im Mittelpunkt der weltweiten geopolitischen Aufmerksamkeit, nicht zuletzt aufgrund ihrer riesigen Kohlenwasserstoffreserven, die seit Jahrzehnten die Aufmerksamkeit der Weltmächte auf sich ziehen. Die zweite Region, der Maghreb, zu dem Marokko, Algerien, Tunesien und Libyen gehören, weist ein Mosaik von Identitäten auf, die durch das berberische, arabische und europäische Erbe beeinflusst werden. Ereignisse wie der algerische Krieg um die Unabhängigkeit und der Arabische Frühling, der 2010 in Tunesien begann, zeugen von dem anhaltenden Streben nach Autonomie und Demokratie. Die Nähe des Maghreb zu Europa macht ihn auch zu einer entscheidenden Region für Migrations- und Sicherheitsfragen. Die dritte Region, die Zentralasien und den Kaukasus umfasst, wird in den Diskussionen über den Nahen Osten oft vernachlässigt, ist aber für das Verständnis der überregionalen Beziehungen von entscheidender Bedeutung. Mit dem Zerfall der Sowjetunion haben Staaten wie Kasachstan und Usbekistan aufgrund ihrer natürlichen Ressourcen und ihrer Position in den "neuen geopolitischen Spielen", an denen Russland, China und die USA beteiligt sind, an strategischer Bedeutung gewonnen. Der Krieg in Afghanistan, in dem ausländische Mächte von der Sowjetzeit bis zur Ära nach dem 11. September intervenierten, ist ein Beispiel für die Komplexität und Instabilität, die von dieser Region ausgehen können. | |||
Jede dieser Regionen teilt zwar den muslimischen Glauben, hat aber ihre eigenen historischen Verläufe und zeitgenössischen Herausforderungen. Vom Osmanischen Reich bis zu den modernen arabischen Revolutionen, dem Kalten Krieg und den zeitgenössischen Konflikten sind die Geschichten dieser Regionen mit den großen Bewegungen der Weltgeschichte verwoben. Die Grenzen und Identitäten dieser Regionen wurden durch eine Kombination aus internen Faktoren und ausländischen Interventionen geformt und spiegeln Machtdynamiken und Herausforderungen wider, die weit über ihre unmittelbaren Geografien hinausgehen. In der Politik- und Geschichtswissenschaft erinnert eine solche Karte an die Bedeutung des regionalen Ansatzes und erkennt gleichzeitig die Verflechtungen an, die die zeitgenössischen internationalen Beziehungen bestimmen. | |||
Die Regierungsführung in den auf der Karte eingezeichneten Regionen ist durch eine substanzielle Komplexität gekennzeichnet, die sich aus der ethnischen, kulturellen und politischen Vielfalt ergibt. Xinjiang zum Beispiel ist eine autonome Region im Nordwesten Chinas, die hauptsächlich von den Uiguren, einer turksprachigen muslimischen Volksgruppe, bewohnt wird. Die Region ist aufgrund der chinesischen Politik, die als Versuch der Zwangsassimilierung und Unterdrückung der ausgeprägten kulturellen und religiösen Identitäten gesehen wird, zu einem Brennpunkt internationaler Menschenrechtsdebatten geworden. Xinjiang ist ein Beispiel dafür, wie die Staatsführung in geopolitisch sensiblen Regionen komplexe staatliche Strategien beinhalten kann, die mit Fragen der nationalen Sicherheit, der wirtschaftlichen Entwicklung und der Minderheitenrechte interagieren. China rechtfertigt sein Vorgehen in Xinjiang mit der Notwendigkeit, Extremismus und Separatismus zu bekämpfen, während internationale Kritiker darin eine Verletzung der Minderheitenrechte und der Religionsfreiheit sehen. | |||
Über Xinjiang hinaus zeigt die Karte auch, dass die Dynamik der Staatsführung im "Großen Mittleren Osten" von einer Vielzahl von Faktoren beeinflusst wird, darunter sektiererische Spannungen, zwischenstaatliche Konflikte, ausländische Interventionen und Protestbewegungen in der Bevölkerung. Die Region ist ein komplexes Schachbrett lokaler, regionaler und internationaler Mächte, auf dem Nationalstaaten, Nichtregierungsorganisationen, Rebellengruppen und ausländische Mächte in unterschiedlichen Konstellationen aufeinandertreffen und zusammenarbeiten. Diese Komplexität ist besonders in Ländern wie Syrien und dem Irak sichtbar, wo ausländische Interventionen, sektiererische Konflikte und Terrorismus zu humanitären Krisen und Herausforderungen beim nationalen Wiederaufbau geführt haben. In Nordafrika zeigen Länder wie Libyen, wie das Fehlen einer stabilen Staatsführung zu politischer Fragmentierung und Bürgerkriegen führen kann. Gleichzeitig spielen Staaten wie der Iran und die Türkei einflussreiche regionale Rollen, sowohl als wirtschaftliche und militärische Mächte als auch als kulturelle und politische Akteure. So dient die Karte als Erinnerung daran, dass die Regierungsstrategien im größeren Nahen Osten nicht verstanden werden können, ohne den Reichtum und die Komplexität der regionalen Identitäten, strategischen Bündnisse, wirtschaftlichen Herausforderungen und politischen Bestrebungen zu berücksichtigen. Diese Elemente prägen die Innenpolitik und die internationalen Beziehungen auf dynamische und oft unvorhersehbare Weise. | |||
== | == Entscheidende geografische Merkmale des Nahen Ostens == | ||
[[Fichier:Middle East - main geographical features.png|350px|vignette|centre| | [[Fichier:Middle East - main geographical features.png|350px|vignette|centre|Naher Osten - wichtigste geografische Merkmale.]]Diese Karte hebt die wichtigsten geografischen Merkmale des Nahen Ostens und der umliegenden Regionen hervor - ein Gebiet, das historisch gesehen ein Kreuzungspunkt der Zivilisationen war und auch heute noch ein Zentrum strategischen geopolitischen Interesses ist. | ||
=== Le Maghreb : Carrefour de civilisations et de terrains === | === Le Maghreb : Carrefour de civilisations et de terrains === | ||
Version du 20 décembre 2023 à 14:34
Basierend auf einem Kurs von Yilmaz Özcan.[1][2]
Der Nahe Osten ist eine facettenreiche Region, die sich von Ägypten bis zum Iran erstreckt und Länder wie Israel, Jordanien, den Libanon, Syrien, den Irak, Saudi-Arabien und andere einschließt. Geografisch gesehen fungiert diese Region als Brücke zwischen Europa, Asien und Afrika und ist mit einer strategischen Position ausgestattet, die ihre Geschichte und Politik geprägt hat. Sie ist die Wiege alter Zivilisationen und dreier großer monotheistischer Religionen - Judentum, Christentum und Islam -, die ihre Kultur und Traditionen tiefgreifend beeinflusst haben. Historisch gesehen war der Nahe Osten das Zentrum mächtiger Reiche, wie des Osmanischen Reichs, das bis zu seinem Fall nach dem Ersten Weltkrieg herrschte, und des Persischen Reichs, das für seinen kulturellen und wissenschaftlichen Reichtum bekannt war. Die Region brachte einflussreiche Persönlichkeiten hervor, wie Saladin im 12. Jahrhundert, eine Symbolfigur des Widerstands gegen die Kreuzritter, oder in jüngerer Zeit Gamal Abdel Nasser, Führer Ägyptens und zentrale Figur des arabischen Nationalismus im 20.
Der Nahe Osten war auch ein wichtiger Schauplatz geopolitischer Konflikte, die durch die europäische Kolonialisierung und die Interessen der Weltmächte an seinen natürlichen Ressourcen, vor allem Erdöl, beeinflusst wurden. Das Sykes-Picot-Abkommen von 1916, das die Grenzen der Region nach dem Fall des Osmanischen Reichs neu festlegte, ist ein anschauliches Beispiel für den westlichen Einfluss auf die politische Gestaltung des Nahen Ostens. In diese Zeit fiel auch der Beginn der Palästinafrage, die nach wie vor ein großes Konfliktthema ist. Auf wirtschaftlicher Ebene haben die Entdeckung und Förderung von Öl einige Länder des Nahen Ostens wie Saudi-Arabien, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate radikal in regionale Wirtschaftsmächte verwandelt. Dieser Reichtum ist jedoch nicht gleichmäßig verteilt und war eine Quelle interner und externer Spannungen. Die Region war Zeuge großer sozialer Bewegungen, wie dem Arabischen Frühling 2011, der eine Reihe von Volksaufständen auslöste, die demokratische Reformen forderten. Diese Ereignisse haben die Herausforderungen hervorgehoben, mit denen viele Gesellschaften im Nahen Osten konfrontiert sind, wie Korruption, Arbeitslosigkeit und politische Unterdrückung. In theoretischer Hinsicht fließen in die Analysen der Politikwissenschaft und der Geschichte des Nahen Ostens häufig Konzepte wie Kolonialismus, Nationalismus, Panarabismus und in jüngster Zeit auch Studien über Terrorismus und religiösen Fundamentalismus ein. Diese Konzepte helfen dabei, die komplexe Dynamik der Region zu verstehen.
Der heutige Nahe Osten ist nach wie vor eine Region im Wandel, die zwischen Tradition und Moderne navigiert. Er spielt weiterhin eine zentrale Rolle auf der Weltbühne und beeinflusst Politik, Wirtschaft und Kultur weit über seine Grenzen hinaus.
Das Konzept des Nahen Ostens
Der Begriff "Naher Osten" ist eng mit einer europäischen Perspektive verbunden und spiegelt die Art und Weise wider, in der die westlichen Mächte diese Region historisch betrachtet und kategorisiert haben. Der Begriff wurde erstmals 1902 von Alfred Thayer Mahan, einem einflussreichen amerikanischen Marinestrategen, im Zusammenhang mit einem Artikel popularisiert, der sich mit den strategischen Herausforderungen im Zusammenhang mit Indien und dem Indischen Ozean befasste.
Mahan verwendete den Begriff, um ein geografisches Gebiet zu bezeichnen, das für Marine- und Handelsinteressen von strategischer Bedeutung war, insbesondere im Hinblick auf die Route nach Indien, einer damals entscheidenden britischen Kolonie. Die Region des "Nahen Ostens" umfasste nach Mahan Gebiete, die vom Osmanischen Reich im Westen bis zur Westgrenze Indiens reichten und somit den Persischen Golf und andere Schlüsselgebiete für die See- und Handelskontrolle einschlossen. Diese Konzeptualisierung des Nahen Ostens ist emblematisch für den eurozentrischen Ansatz, der in der geopolitischen Analyse zu Beginn des 20. Jahrhunderts vorherrschte. Sie spiegelt die Sichtweise der Kolonialmächte wider, die die Region hauptsächlich durch das Prisma ihrer eigenen strategischen und wirtschaftlichen Interessen betrachteten. Diese Perspektive prägte nicht nur die Art und Weise, wie der Nahe Osten in westlichen Diskursen verstanden und dargestellt wurde, sondern auch die Art und Weise, wie die Grenzen und politischen Strukturen der Region festgelegt wurden, insbesondere nach dem Fall des Osmanischen Reiches und dem Ende des Ersten Weltkriegs.
Der Begriff "Middle East" (Mittlerer Osten) wurde schon lange vor Alfred Thayer Mahan verwendet, obwohl seine Popularisierung oft Mahan zugeschrieben wird. Sir Thomas Edward Gordon, ein britischer Offizier und Diplomat, soll den Begriff "Middle East" bereits 1842 verwendet haben. Diese frühe Verwendung hatte jedoch nicht die gleiche Wirkung und Resonanz in geopolitischen und akademischen Kreisen wie die von Mahan. Gordons Verwendung des Begriffs "Middle East" kann als ein früher Hinweis darauf angesehen werden, wie die europäischen Mächte begannen, diese Region im Rahmen ihrer imperialen und strategischen Interessen zu konzeptualisieren und zu definieren. Es war jedoch Mahans 1902 veröffentlichter Artikel, der wirklich dazu beitrug, diesen Begriff in der modernen geopolitischen Sprache zu verankern. Mahan konzentrierte sich auf die Bedeutung der Region für die Kontrolle der Seewege und den Zugang zu Ressourcen und verlieh dem Begriff eine strategische Dimension, die mit den Interessen und Anliegen der damaligen Westmächte in Resonanz ging. Dieser Unterschied in der Wirkung und Verbreitung der beiden Verwendungen verdeutlicht, wie bestimmte Ideen oder Konzepte je nach dem historischen und geopolitischen Kontext, in dem sie verwendet werden, an Einfluss gewinnen. Während Gordons Verwendung relativ unklar blieb, erfolgte Mahans Verwendung zu einem Zeitpunkt, als die strategischen Herausforderungen des Nahen Ostens von den westlichen Mächten zunehmend erkannt wurden, was zur Popularisierung und Nachhaltigkeit des Begriffs beitrug.
Valentine Chirol, ein einflussreicher Journalist und außenpolitischer Kommentator, fügt der Geschichte des Begriffs "Naher Osten" eine interessante Perspektive hinzu. Chirol, der für die Londoner "Times" (und nicht für die "New York Times") arbeitete, spielte eine Schlüsselrolle bei der Popularisierung und Verbreitung des Begriffs zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Valentine Chirol schrieb als Korrespondent und später als Leiter der Abteilung für auswärtige Angelegenheiten bei der "Times" zahlreiche einflussreiche Artikel und Bücher über internationale Politik, wobei sich seine Schriften häufig mit der Region befassten, die wir heute als Nahen Osten bezeichnen. Seine Analysen konzentrierten sich besonders auf die geopolitischen Dynamiken, insbesondere auf das sogenannte "Great Game" - die strategische Rivalität zwischen dem Britischen und dem Russischen Empire um die Kontrolle über Zentralasien.
Obwohl Chirol die geografischen Grenzen des Nahen Ostens nicht streng definierte, trugen seine Schriften dazu bei, das westliche Verständnis der Region als entscheidenden strategischen Raum zu prägen, insbesondere im Zusammenhang mit den britischen und russischen Interessen in Zentralasien. Diese Fokussierung auf das "Great Game" hat die Bedeutung der Region nicht nur aufgrund ihres wirtschaftlichen Potenzials (insbesondere der Ölvorkommen), sondern auch aufgrund ihrer Rolle im geopolitischen Machtgleichgewicht hervorgehoben. Tatsächlich ist Chirols Beitrag zur Diskussion über den Nahen Osten Teil eines breiteren Kontexts imperialer Rivalitäten und der Neudefinition von Einflusssphären, der die internationale Politik im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert prägte. Seine Schriften trugen somit dazu bei, den Nahen Osten als Schlüsselbegriff im geopolitischen Diskurs des Westens zu etablieren, auch wenn sich die genaue Definition und die Grenzen der Region im Laufe der Zeit weiter veränderten.
Die Konzeptualisierung des "Nahen Ostens" als eigenständige Region
Die Konzeptualisierung des "Nahen Ostens" als eigenständige Region ist eng mit einer eurozentrischen Perspektive verbunden, die im Kontext der kolonialen und imperialen Interessen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts entstand. In dieser Weltsicht wurden Regionen nach ihrer relativen Nähe zu Europa klassifiziert, woraus die Begriffe "Far East" (Ferner Osten), "Near East" (Naher Osten) und "Middle East" (Mittlerer Osten) entstanden.
Der "Far East" oder der Ferne Osten umfasste Länder wie China, Japan und Korea, die als am weitesten von Europa entfernt galten. Diese Region erlangte während der Zeit des westlichen Imperialismus eine bedeutende Bedeutung, die durch Ereignisse wie den Opiumkrieg (1839-1842) und die erzwungene Öffnung Japans für den westlichen Handel durch Commodore Perry im Jahr 1854 gekennzeichnet war. Was den "Nahen Osten" betrifft, so bezeichnete er ursprünglich die an Europa angrenzenden Gebiete des Osmanischen Reichs, wie die Türkei, Griechenland und manchmal auch Ägypten. Die Tanzimat-Reformen im Osmanischen Reich im 19. Jahrhundert und die Frage des Orients, ein wichtiges diplomatisches und kulturelles Thema in den Beziehungen zwischen den europäischen Mächten und dem Osmanischen Reich, verdeutlichen die Bedeutung dieser Region in der europäischen Außenpolitik der damaligen Zeit. Der "Mittlere Osten", der zwischen diesen beiden Regionen liegt, wurde unschärfer definiert. Alfred Thayer Mahan, der den Begriff in seinem Artikel von 1902 populär machte, betonte die strategische Bedeutung der Region für die Kontrolle der Seewege nach Asien und die Ölvorkommen. Diese Perspektive wurde durch die als "Great Game" bekannte anglo-russische Rivalität in der Region verstärkt, bei der die beiden Mächte um den Einfluss in Zentralasien kämpften.
Die Verwendung dieser Begriffe spiegelte die eurozentrische Weltsicht wider und verstärkte sie, in der Regionen vor allem in Bezug auf ihre Beziehungen zu europäischen Interessen definiert und begriffen wurden. Diese Perspektive wurde in postkolonialen Diskursen und modernen Regionalstudien kritisiert, weil sie die innere Dynamik und die Autonomie der betreffenden Regionen nicht anerkennt. In der Politik- und Geschichtswissenschaft beleuchtet die Analyse dieser Begriffe die Komplexität und die Folgen von Kolonialisierung und Imperialismus und unterstreicht gleichzeitig die Notwendigkeit differenzierterer und kontextualisierterer Ansätze beim Verständnis von Weltregionen.
Der Erste Weltkrieg spielte eine entscheidende Rolle bei der Neudefinition geopolitischer Begriffe und dem allmählichen Verschwinden des Begriffs "Near East" (Naher Osten) sowie bei der Popularisierung und Konsolidierung des Konzepts "Middle East" (Naher Osten). Während des Ersten Weltkriegs verbündete sich das Osmanische Reich, das einen großen Teil des damals als Naher Osten bezeichneten Gebiets ausmachte, mit den Mittelmächten. Dieses Bündnis erwies sich als katastrophal für das Reich, das am Ende des Krieges schwere Gebietsverluste hinnehmen musste. Mit dem Vertrag von Sèvres 1920, gefolgt vom Vertrag von Lausanne 1923, wurde das Osmanische Reich zerschlagen und verlor seine Gebiete in Europa und im Nahen Osten.
Diese Ereignisse führten zur "Balkanisierung" der Region, ein Begriff, der sich auf die Zersplitterung in mehrere kleine Staaten bezieht und oft verwendet wird, um die Situation auf dem Balkan nach den Balkankriegen zu beschreiben, aber auch hier anwendbar ist. In dieser Zeit entstanden neue Nationalstaaten, wie die moderne Türkei unter Mustafa Kemal Atatürk, und die Grenzen im Nahen Osten wurden neu definiert. Gleichzeitig wurden in mehreren Regionen des ehemaligen Osmanischen Reichs Völkerbundsmandate eingerichtet. Die europäischen Mächte, vor allem Frankreich und Großbritannien, erhielten das Mandat, ehemalige osmanische Gebiete wie Syrien, Libanon, Irak und Palästina zu regieren. Diese Mandatsverwaltung hatte einen tiefgreifenden Einfluss auf die politische und soziale Gestaltung der Region und hinterließ ein Erbe, das den modernen Nahen Osten weiterhin prägt.
Mit dem Verschwinden des Osmanischen Reichs und der Neukonfiguration der Region verlor der Begriff "Near East" seine Relevanz, da die Unterscheidung zwischen "Nahem Osten" und "Mittlerem Osten" weniger klar wurde. Von da an begann der Begriff "Middle East" allgemeiner verwendet zu werden, um die Region zu beschreiben, die sich von Ägypten bis zum Iran erstreckt und die arabischen Gebiete, die Türkei und manchmal sogar Afghanistan und Pakistan einschließt. Dieser Zeitraum war daher entscheidend für die geopolitische Neudefinition der Region und prägte die Art und Weise, wie sie im internationalen Diskurs bis heute wahrgenommen und kategorisiert wird. Diese Veränderungen spiegeln nicht nur die Machtdynamiken der damaligen Zeit wider, sondern unterstreichen auch die Bedeutung historischer Ereignisse für die Bildung geografischer und politischer Konzepte.
Der Erste Weltkrieg spielte eine entscheidende Rolle bei der Ausweitung und Neudefinition des Begriffs "Middle East" (Naher Osten). Vor dem Krieg konzentrierte sich das Verständnis des Nahen Ostens häufig auf Indien und die für den Handel und den britischen Einfluss lebenswichtigen Seewege. Die Folgen des Krieges führten jedoch zu einer deutlichen Ausweitung dieses Begriffs, vor allem nach Westen. Eine der wichtigsten Veränderungen war die Einbeziehung der arabischen Gebiete des ehemaligen Osmanischen Reichs in die Definition des Nahen Ostens. Mit dem Fall dieses Reiches und der Einrichtung der Völkerbundmandate wurden Regionen wie Syrien, Irak, Libanon und Palästina zu zentralen Bestandteilen dessen, was nun als Naher Osten bezeichnet wird. Die Neufestlegung der Grenzen und die Gründung neuer Staaten in diesen Mandatsgebieten haben dazu beigetragen, ein neues geopolitisches Verständnis der Region zu prägen.
Darüber hinaus verstärkte die offizielle Verwendung und Anerkennung des Begriffs "Mittlerer Osten" durch die westlichen Mächte und internationalen Institutionen seine Übernahme und Akzeptanz in der politischen und diplomatischen Sprache. Diese Veränderung spiegelte nicht nur die geopolitischen Realitäten der Nachkriegszeit wider, sondern auch die strategischen und wirtschaftlichen Interessen, insbesondere im Hinblick auf die Ölreserven der Region, die in der Weltpolitik eine entscheidende Rolle zu spielen begannen. Die Neudefinition des Nahen Ostens nach dem Ersten Weltkrieg hatte daher weitreichende Auswirkungen, sowohl für die Menschen in der Region als auch für die internationale Politik. Sie markierte den Beginn einer neuen Ära, in der der Nahe Osten zu einem Brennpunkt globaler strategischer Interessen wurde - eine Situation, die auch heute noch die internationalen Beziehungen und die regionale Dynamik in der heutigen Welt prägt.
In der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg spielte Großbritannien eine führende Rolle bei der politischen und territorialen Neugestaltung des Nahen Ostens. Die Briten erkannten die wachsende strategische und wirtschaftliche Bedeutung der Region und organisierten mehrere Treffen, Austauschprogramme und Konferenzen und richteten spezielle Komitees und Abteilungen ein, um ihre Interessen und Gebiete in der Region zu verwalten.
Eines der ersten Beispiele hierfür war die Gründung des Middle East Committee im Jahr 1917. Dieses Komitee sollte die britische Politik in der Region inmitten der kriegsbedingten geopolitischen Umwälzungen koordinieren. Die Einrichtung dieses Komitees zeugte davon, dass die Briten die Bedeutung des Nahen Ostens für ihre globalen Strategien zunehmend erkannten. 1921 spielte Winston Churchill, der damalige Staatssekretär für die Kolonien, eine Schlüsselrolle bei der Gründung des Middle East Department. Dieses Department hatte die Aufgabe, die britisch kontrollierten Gebiete im Nahen Osten zu verwalten, darunter auch die Völkerbundmandate wie Palästina und Mesopotamien (der heutige Irak). Die Einrichtung dieser Abteilung spiegelte die Notwendigkeit eines zentralisierten und kohärenten Ansatzes zur Verwaltung und Nutzung der Ressourcen und strategischen Positionen in diesen Gebieten wider.
Im selben Jahr wurde die Middle East Conference veranstaltet, ein entscheidendes Ereignis, um die politische Zukunft der Gebiete zu bestimmen, die Frankreich und Großbritannien nach der Auflösung des Osmanischen Reiches gewonnen hatten. Die Konferenz befasste sich mit Fragen wie Grenzen, Verwaltung und Politik in den neu geschaffenen Mandaten. Schlüsselfiguren wie Churchill und T.E. Lawrence (besser bekannt als Lawrence von Arabien) nahmen an diesen Diskussionen teil, die die politische Landschaft des Nahen Ostens für die kommenden Jahrzehnte prägten. Diese britischen Initiativen in der Region hatten nachhaltige Auswirkungen, nicht nur in Bezug auf die geopolitische Konfiguration, sondern auch in Bezug auf die Beziehungen zwischen dem Orient und dem Westen. Sie legten auch den Grundstein für die zahlreichen politischen und sozialen Herausforderungen, mit denen die Region bis heute konfrontiert ist, darunter Fragen im Zusammenhang mit künstlichen Grenzen, nationaler Identität und zwischenstaatlichen Konflikten.
Geopolitische Terminologie: Middle East, Near East und Greater Middle East
Das Ende des Ersten Weltkriegs markierte einen entscheidenden Wendepunkt für den Nahen Osten, der durch die Einrichtung von Mandaten des Völkerbunds für die Gebiete des ehemaligen Osmanischen Reichs gekennzeichnet war. Diese Mandate, mit denen vor allem Großbritannien und Frankreich betraut wurden, definierten die politische Landschaft der Region neu und legten den Grundstein für viele zeitgenössische Herausforderungen.
Großbritannien, das auf seine imperiale Erfahrung in Indien zurückgreifen konnte, spielte eine herausragende Rolle bei der Neugestaltung des Nahen Ostens. Unter den vergebenen Mandaten war das Mandat für Mesopotamien, den heutigen Irak, besonders bedeutsam. Das an Öl reiche Gebiet war für die wirtschaftlichen und strategischen Interessen Großbritanniens von entscheidender Bedeutung. Die britische Verwaltung im Irak war geprägt von Versuchen, verschiedene ethnische und religiöse Einheiten unter einem Staat zu verschmelzen - ein komplexes Unterfangen, das die Saat für zukünftige Spannungen legte. Das britische Mandat in Palästina hatte ebenfalls weitreichende Auswirkungen. Durch die Einbeziehung der Balfour-Erklärung von 1917, die die Schaffung einer "nationalen Heimstätte für das jüdische Volk" versprach, legte das Mandat den Grundstein für den arabisch-israelischen Konflikt, der die regionale Geopolitik nach wie vor prägt. Die britische Verwaltung dieses Mandats war ein heikles Unterfangen, bei dem zwischen den zionistischen Bestrebungen und den Ansprüchen der einheimischen arabischen Bevölkerung jongliert wurde. Frankreich hingegen erhielt die Mandate über Syrien und den Libanon, wo es Verwaltungen aufbaute, die die kulturelle und politische Entwicklung dieser Länder tiefgreifend beeinflussten. Die französische Politik in diesen Regionen begünstigte häufig bestimmte Gemeinschaften, wie die maronitischen Christen im Libanon, und trug so dazu bei, die fragmentierte politische Landschaft zu formen, die wir heute kennen.
Obwohl diese Mandate ursprünglich dazu gedacht waren, die Gebiete auf Autonomie und Unabhängigkeit vorzubereiten, fungierten sie oftmals eher als Kolonialverwaltungen. Die von den Mandatsmächten gezogenen Grenzen berücksichtigten nicht immer die ethnischen, religiösen und kulturellen Gegebenheiten und führten zur Schaffung von Staaten mit komplexen und manchmal konfliktträchtigen nationalen Identitäten. Die Auswirkungen dieser Mandate sind bis heute spürbar. Die künstlichen Grenzen und Nationalstaaten, die in dieser Zeit geschaffen wurden, waren häufig der Nährboden für interne Konflikte und zwischenstaatliche Spannungen. Diese historischen Ereignisse haben nicht nur den Nahen Osten neu geformt, sondern auch die Theorien der Politik- und Geschichtswissenschaft beeinflusst, indem sie die langfristigen Folgen von Kolonialisierung und Imperialismus sowie die Herausforderungen des Nation-Building in multiethnischen und multikonfessionellen Kontexten beleuchteten.
Der Zweite Weltkrieg spielte eine entscheidende Rolle bei der Konsolidierung der Verwendung des Begriffs "Middle East" (Naher Osten) und der Veralterung des Ausdrucks "Near East" (Naher Osten). In dieser Zeit des weltweiten Konflikts fanden in vielen Regionen Kämpfe statt, u. a. auf dem Balkan und in Nordafrika, Regionen, die nach und nach in die erweiterte Definition des Nahen Ostens einbezogen wurden.
Während des Zweiten Weltkriegs beschränkte sich der Kriegsschauplatz Naher Osten nicht nur auf die Länder, die traditionell mit dieser Region in Verbindung gebracht werden, wie Ägypten, Syrien oder der Irak. Er umfasste auch Konfliktgebiete in Nordafrika, insbesondere den Nordafrikafeldzug, bei dem es zu größeren Zusammenstößen zwischen den Achsenmächten, vor allem Italienern und Deutschen, und den Alliierten, darunter britische, französische und später auch amerikanische Truppen, kam. Figuren wie der britische General Bernard Montgomery und der deutsche Feldmarschall Erwin Rommel wurden für ihre Rollen in diesen Kämpfen berühmt. Die zunehmende Verwendung des Begriffs "Mittlerer Osten" zur Bezeichnung dieser verschiedenen Kriegsschauplätze spiegelte ein breiteres und flexibleres Verständnis der Region wider. Diese geografische Ausweitung wurde auch von den strategischen und logistischen Bedürfnissen der kriegführenden Mächte beeinflusst, für die die Kontrolle über die Seewege und Ressourcen, insbesondere Öl, von entscheidender Bedeutung war.
Infolgedessen wurde der Begriff "Near East", der traditionell die Teile des Osmanischen Reichs bezeichnet hatte, die Europa am nächsten lagen, allmählich außer Gebrauch gesetzt. Nach der Auflösung des Osmanischen Reichs und der Neudefinition der Grenzen und politischen Einheiten in der Region wurde die Unterscheidung zwischen "Near East" und "Middle East" zunehmend irrelevant. So war der Zweite Weltkrieg nicht nur ein Katalysator für geopolitische und territoriale Veränderungen, sondern beeinflusste auch die Terminologie und die Konzeptualisierung der Weltregionen. Das allmähliche Verschwinden des Begriffs "Near East" und die Dominanz des Begriffs "Middle East" im politischen und akademischen Diskurs sind sinnbildlich für diese Veränderungen.
Das zunehmende Engagement der USA im Nahen Osten während und nach dem Zweiten Weltkrieg hat den Begriff "Middle East" (Mittlerer Osten) im internationalen Diskurs gestärkt und verfestigt. Ein bedeutender Meilenstein dieses wachsenden Interesses war die Gründung des "Middle East Institute" in Washington, D.C., das eine entscheidende Rolle bei der Förderung von Studien und des Verständnisses der Region in den USA spielte. Das 1946 gegründete "Middle East Institute" entstand vor dem Hintergrund des wachsenden strategischen und wirtschaftlichen Interesses der USA am Nahen Osten. In dieser Zeit trat Amerika als globale Supermacht hervor und versuchte, seinen Einfluss in strategisch wichtigen Regionen auszuweiten, nicht zuletzt wegen der großen Ölvorkommen. Der Nahe Osten mit seinen Energieressourcen und seiner geopolitischen Schlüsselposition wurde zu einer zentralen Achse der amerikanischen Außenpolitik.
Die Rolle des Middle East Institute bestand darin, Analysen, Informationen und Ratschläge über die Region bereitzustellen und damit die amerikanische Außenpolitik sowie das akademische und öffentliche Verständnis des Nahen Ostens mitzugestalten. Durch die Zusammenführung von Experten, Diplomaten, Akademikern und Praktikern hat das Institut zu einer besseren Einschätzung der politischen, kulturellen, wirtschaftlichen und sozialen Komplexität der Region beigetragen. Das verstärkte Engagement der USA im Nahen Osten nach dem Zweiten Weltkrieg war auch von Schlüsselereignissen geprägt, wie der Truman-Doktrin von 1947, die die sowjetische Expansion eindämmen sollte und eine stärkere Unterstützung der Länder in der Region beinhaltete, und der Gründung des Staates Israel im Jahr 1948, einer Entwicklung, die die regionale Dynamik tiefgreifend beeinflusst hat. Die Entstehung des Middle East Institute und das zunehmende Engagement der USA in der Region stärkten nicht nur den Begriff des Nahen Ostens im geopolitischen Diskurs, sondern signalisierten auch eine Ära signifikanter Veränderungen in der internationalen Politik, in der der Nahe Osten zu einem Brennpunkt des amerikanischen Interesses und der Intervention wurde.
In der Zeit des Kalten Krieges entstand das Konzept des "Großen Mittleren Ostens", eine geografische Erweiterung des traditionellen Begriffs "Naher Osten". Diese Neudefinition wurde von den geopolitischen Strategien und Interessen der damaligen Supermächte, der USA und der Sowjetunion, im Kontext ihrer globalen Rivalität beeinflusst. Der "Große Nahe Osten" umfasst eine weitaus größere Region als die traditionell als "Naher Osten" bezeichnete. Sie erstreckt sich von der Westsahara in Nordafrika bis nach Indien in Südasien und schließt Länder südlich der Sahara wie Äthiopien ein. Diese Ausweitung spiegelt ein breiteres Verständnis der strategischen Herausforderungen und Einflusszonen wider, die über die traditionellen Grenzen des Nahen Ostens hinausgehen. Während des Kalten Krieges war diese erweiterte Region ein Schlüsselterrain für den Kampf um Einfluss zwischen den USA und der UdSSR. Die Supermächte waren in eine Reihe von Stellvertreterkonflikten verwickelt und unterstützten je nach ihren strategischen und ideologischen Interessen verschiedene Regime und Bewegungen. Länder wie Ägypten, Iran, Afghanistan und andere haben in dieser Dynamik bedeutende Rollen gespielt.
Der Begriff "Großer Mittlerer Osten" wurde auch mit neueren politischen Initiativen in Verbindung gebracht, insbesondere mit der amerikanischen Vision nach dem 11. September für eine demokratische und wirtschaftliche Umgestaltung der Region. Diese Vision, die unter der Regierung von George W. Bush gefördert wurde, sah eine Neugestaltung der Politik und der sozialen Strukturen in einem großen Gebiet vor, das nicht nur den traditionellen Nahen Osten, sondern auch Teile Nordafrikas und Südasiens umfasste. Die Verwendung des Begriffs "Großer Mittlerer Osten" spiegelt daher die Veränderungen in der Wahrnehmung und dem politischen Engagement der Weltmächte in der Region wider. Er unterstreicht auch, wie sich geopolitische Konzepte weiterentwickeln und an die globalen politischen und strategischen Realitäten anpassen können.
Die Popularisierung und Ausweitung des Begriffs "Naher Osten" hat Debatten und Überlegungen ausgelöst, insbesondere bei Figuren wie Winston Churchill, die Vorbehalte gegen die manchmal unscharfe und expansive Verwendung dieses Begriffs äußerten. Churchill war sich als zentrale Figur bei der Neufestlegung der Grenzen und der Politik im Nahen Osten nach dem Ersten Weltkrieg besonders bewusst, dass die Komplexität und die regionalen Besonderheiten durch eine zu allgemeine Verwendung des Begriffs "Naher Osten" verschleiert werden könnten. Bei den Vereinten Nationen ist die Verwendung des Begriffs "Western Asia" (Westasien) zur Bezeichnung eines Teils dessen, was viele für den Nahen Osten halten, ein Beispiel für diese Versuche einer präziseren und geografisch orientierten Kategorisierung. Diese Bezeichnung zielt darauf ab, die Region eher auf geografischer als auf politischer oder kultureller Basis zu definieren, und bietet damit eine Alternative zu der stärker belasteten und mehrdeutigen Terminologie des "Nahen Ostens".
Parallel dazu sind die traditionellen und historischen Bezeichnungen für verschiedene Subregionen und geografische Gebiete nicht verschwunden und werden weiterhin verwendet. Begriffe wie "Maghreb" (Nordwestafrika), "Maschrek" (arabischer Nahost), "Anatolien" (asiatischer Teil der Türkei), "Mesopotamien" (historisch bis 1921 für den Irak verwendet) und "Fruchtbarer Halbmond" (Region, die die Levante und Teile Mesopotamiens umfasst) verfügen über einen spezifischen historischen und kulturellen Reichtum. Diese Begriffe spiegeln nicht nur eine besondere Geografie wider, sondern auch unterschiedliche Geschichten, Kulturen und Identitäten. Die Hartnäckigkeit dieser Bezeichnungen unterstreicht die Vielfalt und Komplexität des Nahen Ostens als Region. Sie verdeutlicht die Schwierigkeit, die Vielzahl seiner Merkmale unter einem einzigen Etikett zu erfassen. Sie spiegelt auch einen entscheidenden Aspekt geopolitischer und kultureller Studien wider: die Notwendigkeit, lokale und historische Besonderheiten anzuerkennen und zu respektieren, während man sich mit regionalen und internationalen Fragen befasst.
Die drei strategischen Räume der muslimischen Welt
Diese Karte stellt eine strategische Vision der muslimischen Welt dar, die in drei verschiedene Regionen unterteilt ist, welche die Vielfalt und die politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Komplexitäten innerhalb des Islams hervorheben. Die erste Region, das traditionelle Herz des Nahen Ostens, erstreckt sich von Ägypten über die Golfstaaten bis hin zum Iran und Jemen. Dieses Gebiet ist geschichtsträchtig, da es die Wiege der Zivilisation und Schauplatz großer Konflikte wie der arabisch-israelischen Kriege, der iranischen Revolution von 1979 und der Golfkriege war. Diese Gebiete stehen im Mittelpunkt der weltweiten geopolitischen Aufmerksamkeit, nicht zuletzt aufgrund ihrer riesigen Kohlenwasserstoffreserven, die seit Jahrzehnten die Aufmerksamkeit der Weltmächte auf sich ziehen. Die zweite Region, der Maghreb, zu dem Marokko, Algerien, Tunesien und Libyen gehören, weist ein Mosaik von Identitäten auf, die durch das berberische, arabische und europäische Erbe beeinflusst werden. Ereignisse wie der algerische Krieg um die Unabhängigkeit und der Arabische Frühling, der 2010 in Tunesien begann, zeugen von dem anhaltenden Streben nach Autonomie und Demokratie. Die Nähe des Maghreb zu Europa macht ihn auch zu einer entscheidenden Region für Migrations- und Sicherheitsfragen. Die dritte Region, die Zentralasien und den Kaukasus umfasst, wird in den Diskussionen über den Nahen Osten oft vernachlässigt, ist aber für das Verständnis der überregionalen Beziehungen von entscheidender Bedeutung. Mit dem Zerfall der Sowjetunion haben Staaten wie Kasachstan und Usbekistan aufgrund ihrer natürlichen Ressourcen und ihrer Position in den "neuen geopolitischen Spielen", an denen Russland, China und die USA beteiligt sind, an strategischer Bedeutung gewonnen. Der Krieg in Afghanistan, in dem ausländische Mächte von der Sowjetzeit bis zur Ära nach dem 11. September intervenierten, ist ein Beispiel für die Komplexität und Instabilität, die von dieser Region ausgehen können.
Jede dieser Regionen teilt zwar den muslimischen Glauben, hat aber ihre eigenen historischen Verläufe und zeitgenössischen Herausforderungen. Vom Osmanischen Reich bis zu den modernen arabischen Revolutionen, dem Kalten Krieg und den zeitgenössischen Konflikten sind die Geschichten dieser Regionen mit den großen Bewegungen der Weltgeschichte verwoben. Die Grenzen und Identitäten dieser Regionen wurden durch eine Kombination aus internen Faktoren und ausländischen Interventionen geformt und spiegeln Machtdynamiken und Herausforderungen wider, die weit über ihre unmittelbaren Geografien hinausgehen. In der Politik- und Geschichtswissenschaft erinnert eine solche Karte an die Bedeutung des regionalen Ansatzes und erkennt gleichzeitig die Verflechtungen an, die die zeitgenössischen internationalen Beziehungen bestimmen.
Die Regierungsführung in den auf der Karte eingezeichneten Regionen ist durch eine substanzielle Komplexität gekennzeichnet, die sich aus der ethnischen, kulturellen und politischen Vielfalt ergibt. Xinjiang zum Beispiel ist eine autonome Region im Nordwesten Chinas, die hauptsächlich von den Uiguren, einer turksprachigen muslimischen Volksgruppe, bewohnt wird. Die Region ist aufgrund der chinesischen Politik, die als Versuch der Zwangsassimilierung und Unterdrückung der ausgeprägten kulturellen und religiösen Identitäten gesehen wird, zu einem Brennpunkt internationaler Menschenrechtsdebatten geworden. Xinjiang ist ein Beispiel dafür, wie die Staatsführung in geopolitisch sensiblen Regionen komplexe staatliche Strategien beinhalten kann, die mit Fragen der nationalen Sicherheit, der wirtschaftlichen Entwicklung und der Minderheitenrechte interagieren. China rechtfertigt sein Vorgehen in Xinjiang mit der Notwendigkeit, Extremismus und Separatismus zu bekämpfen, während internationale Kritiker darin eine Verletzung der Minderheitenrechte und der Religionsfreiheit sehen.
Über Xinjiang hinaus zeigt die Karte auch, dass die Dynamik der Staatsführung im "Großen Mittleren Osten" von einer Vielzahl von Faktoren beeinflusst wird, darunter sektiererische Spannungen, zwischenstaatliche Konflikte, ausländische Interventionen und Protestbewegungen in der Bevölkerung. Die Region ist ein komplexes Schachbrett lokaler, regionaler und internationaler Mächte, auf dem Nationalstaaten, Nichtregierungsorganisationen, Rebellengruppen und ausländische Mächte in unterschiedlichen Konstellationen aufeinandertreffen und zusammenarbeiten. Diese Komplexität ist besonders in Ländern wie Syrien und dem Irak sichtbar, wo ausländische Interventionen, sektiererische Konflikte und Terrorismus zu humanitären Krisen und Herausforderungen beim nationalen Wiederaufbau geführt haben. In Nordafrika zeigen Länder wie Libyen, wie das Fehlen einer stabilen Staatsführung zu politischer Fragmentierung und Bürgerkriegen führen kann. Gleichzeitig spielen Staaten wie der Iran und die Türkei einflussreiche regionale Rollen, sowohl als wirtschaftliche und militärische Mächte als auch als kulturelle und politische Akteure. So dient die Karte als Erinnerung daran, dass die Regierungsstrategien im größeren Nahen Osten nicht verstanden werden können, ohne den Reichtum und die Komplexität der regionalen Identitäten, strategischen Bündnisse, wirtschaftlichen Herausforderungen und politischen Bestrebungen zu berücksichtigen. Diese Elemente prägen die Innenpolitik und die internationalen Beziehungen auf dynamische und oft unvorhersehbare Weise.
Entscheidende geografische Merkmale des Nahen Ostens
Diese Karte hebt die wichtigsten geografischen Merkmale des Nahen Ostens und der umliegenden Regionen hervor - ein Gebiet, das historisch gesehen ein Kreuzungspunkt der Zivilisationen war und auch heute noch ein Zentrum strategischen geopolitischen Interesses ist.
Le Maghreb : Carrefour de civilisations et de terrains
La région du Maghreb, située dans le nord-ouest de l'Afrique, constitue un espace unique à l'intersection de plusieurs mondes. Elle est définie par des caractéristiques géographiques remarquables, dont les chaînes de montagnes de l'Atlas qui s'étendent à travers plusieurs de ses pays, notamment le Maroc, l'Algérie et la Tunisie. Ces montagnes ne sont pas seulement un élément marquant du paysage naturel, mais elles ont également façonné les modes de vie et les itinéraires commerciaux dans la région. Le Sahara, bordant le Maghreb au sud, est le plus grand désert chaud du monde et sert à la fois de barrière et de pont entre l'Afrique subsaharienne et les rivages méditerranéens du Maghreb. Cette immensité aride a été traversée depuis des millénaires par des caravanes commerciales transportant des biens tels que le sel, l'or et les tissus, reliant ainsi le Maghreb à l'Afrique subsaharienne et au-delà. Historiquement, le Maghreb a été un espace d'échanges culturels et commerciaux intenses. Les Phéniciens, les Romains, les Byzantins et plus tard les Arabes et les Européens ont laissé leur empreinte sur la région, ce qui a abouti à un riche héritage culturel et architectural. L'influence arabe est particulièrement notable à partir du VIIe siècle avec l'introduction de l'islam, qui a profondément influencé la culture, la langue et l'identité de la région.
Au fil des siècles, le Maghreb a vu s'épanouir des centres de savoir et de culture, comme la ville de Fès au Maroc et la Qarawiyyin, l'une des plus anciennes universités du monde encore en activité. La région a également été le théâtre d'importantes batailles et conflits, y compris les campagnes de résistance contre la colonisation française et espagnole, menant finalement à l'indépendance des nations maghrébines au milieu du XXe siècle. Aujourd'hui, le Maghreb continue de jouer un rôle stratégique en raison de sa position géographique aux portes de l'Europe, de ses ressources naturelles, notamment les hydrocarbures en Algérie et en Libye, et de ses défis contemporains tels que les mouvements migratoires et les questions de sécurité régionale. La compréhension de la géographie du Maghreb est donc essentielle pour appréhender les dynamiques actuelles qui façonnent la région et son interaction avec le reste du monde.
Le Sahara : Un désert connectant des mondes
À l'est du Maghreb s'étend le Sahara, un désert immense qui traverse de nombreux pays africains. Cette vaste étendue de terre aride représente l'une des barrières naturelles les plus imposantes sur Terre, affectant profondément les schémas de peuplement, les itinéraires de commerce et les échanges culturels. Le Sahara est plus qu'un désert; il est une frontière écologique, un espace qui a historiquement séparé le nord verdoyant de l'Afrique de ses régions subsahariennes plus humides. Le "Libyan Desert" fait référence à la partie du Sahara qui se trouve en Libye et en Égypte. Cette région est particulièrement connue pour ses paysages extrêmes et ses formations géologiques, comme les massifs montagneux de l'Akakus en Libye ou les oasis dispersées qui ont servi de haltes vitales pour les caravanes à travers les âges. Ces oasis, telles que Siwa en Égypte, ont été des centres de commerce et de contact culturel, reliant l'Afrique du Nord à la Vallée du Nil et au-delà.
Les dynamiques transsahariennes, influencées par le désert libyen et le Sahara dans son ensemble, ont été cruciales tout au long de l'histoire. Les routes commerciales transsahariennes ont facilité le commerce de biens précieux, notamment l'or, le sel et les esclaves, entre l'Afrique subsaharienne et les marchés méditerranéens. Ces échanges ont également permis la diffusion de l'islam et d'autres traditions culturelles, tissant un réseau complexe d'influences qui continuent de façonner l'identité des sociétés sahariennes et sahéliennes.
De plus, le désert a été et reste un théâtre pour les questions de sécurité et de conflits. La région a vu des tensions transfrontalières et des activités de groupes militants, exacerbées par l'immensité du terrain et les défis de la gouvernance. Dans le contexte contemporain, le désert libyen est devenu un lieu de transit pour les migrants cherchant à rejoindre l'Europe, plaçant ainsi la région au cœur des discussions sur les politiques migratoires et la sécurité internationale. Comprendre la géographie du Sahara et du désert libyen est donc essentiel pour saisir les enjeux politiques, économiques et sociaux qui caractérisent ces régions et leur impact sur les dynamiques africaines et méditerranéennes plus larges.
L'Anatolie : Terre d'empire et de diversité topographique
L'Anatolie, ou Asie Mineure, qui constitue la majeure partie de la Turquie moderne, est une région d'une richesse historique et culturelle exceptionnelle. Sa position géographique, qui chevauche deux continents, a fait de l'Anatolie un carrefour de civilisations depuis l'Antiquité. Des empires anciens tels que les Hittites, les Grecs, les Romains, les Byzantins et, plus tard, les Ottomans ont laissé leur empreinte sur la péninsule, en faisant une mosaïque de cultures et d'héritages historiques. Géologiquement, l'Anatolie est située sur une zone de rencontre entre plusieurs plaques tectoniques, ce qui explique son activité sismique notable. Cette activité a contribué à façonner la topographie diverse de la région, avec des chaînes de montagnes telles que le Taurus et le Pontique, et des plateaux intérieurs où se trouvent des lacs salés et des bassins fertiles. Ces derniers ont été le théâtre de l'essor de l'agriculture et du développement des premières cités-états. Les montagnes et les plateaux d'Anatolie jouent également un rôle important dans la détermination du climat régional, avec des zones côtières bénéficiant d'un climat méditerranéen tandis que l'intérieur des terres présente des conditions plus continentales. Ces variations climatiques, combinées à la richesse des sols, ont permis le développement d'une agriculture variée et ont soutenu des populations denses à travers l'histoire.
Les empires byzantin et ottoman, ayant leur capitale dans la région qui est aujourd'hui Istanbul, ont tiré parti de la position stratégique de l'Anatolie, contrôlant des routes commerciales cruciales entre l'Est et l'Ouest et exerçant une influence culturelle et politique majeure sur les régions voisines. L'Anatolie est parsemée de vestiges de ces périodes florissantes, y compris des palais, des mosquées, des églises et des citadelles qui continuent d'attirer des chercheurs et des touristes du monde entier. Aujourd'hui, l'Anatolie continue de jouer un rôle géopolitique central, non seulement pour la Turquie mais aussi pour le Moyen-Orient et l'Europe. Sa situation géographique, sa richesse culturelle et ses ressources naturelles en font une région pivot dans les discussions sur la sécurité, l'économie et la diplomatie dans la région élargie du Moyen-Orient.
Le Croissant fertile : Berceau de l'agriculture et de la civilisation
Le Croissant fertile est une bande de terre historiquement riche qui s'étend du Levant à l'Irak. Cette zone est essentielle à l'histoire de l'humanité, reconnue comme le lieu où l'agriculture s'est développée pour la première fois en raison de ses sols exceptionnellement riches et de l'accès à l'eau fourni par les grands fleuves tels que le Tigre et l'Euphrate. Les conditions propices à l'agriculture ont permis aux sociétés sédentaires de s'établir et ont été le fondement des premières civilisations urbaines.
La Syrie et l'Irak, en particulier, sont des terres où les anciennes civilisations mésopotamiennes telles que les Sumériens, les Assyriens et les Babyloniens ont émergé et prospéré, créant des villes complexes, des systèmes d'écriture et des codes juridiques qui ont façonné les premières étapes du développement humain. La Mésopotamie est souvent surnommée le "berceau de la civilisation" pour cette raison. Dans le Levant, qui comprend le Liban, la Jordanie, Israël et la Palestine, les Phéniciens étaient renommés pour leur navigation et leur commerce maritimes, établissant des colonies et des réseaux commerciaux à travers la Méditerranée. Les villes du Levant, grâce à leur emplacement stratégique, ont été des centres d'échange et d'interaction culturelle entre divers empires et cultures tout au long de l'histoire.
De nos jours, le Croissant fertile reste d'une importance vitale pour la région, malgré les défis posés par la modernisation, les conflits et la gestion des ressources en eau. La Syrie et l'Irak, par exemple, sont confrontés à des difficultés liées à la surexploitation et à la pollution de leurs ressources aquatiques. Les tensions sur les ressources en eau sont exacerbées par les conflits régionaux et la pression démographique, ce qui rend la coopération régionale sur la gestion de l'eau d'autant plus cruciale. La région continue d'être un foyer d'activité agricole, soutenant les économies locales et fournissant des moyens de subsistance à des millions de personnes. Toutefois, l'agriculture dans le Croissant fertile est soumise aux aléas du changement climatique, nécessitant des adaptations et des stratégies innovantes pour préserver la fertilité des sols et la durabilité des pratiques agricoles. Les défis actuels du Croissant fertile reflètent l'interaction entre son riche passé et les réalités complexes du présent.
La péninsule arabique : Centre névralgique de la religion et des ressources
La péninsule Arabique est une région géographique particulièrement significative tant sur le plan culturel que sur le plan économique. C'est le berceau de l'islam, avec des villes saintes comme La Mecque et Médine situées en Arabie Saoudite, qui attirent des millions de fidèles musulmans du monde entier pour le pèlerinage annuel du Hajj, l'un des cinq piliers de l'islam. La dimension spirituelle de ces lieux confère à la péninsule une importance incontestable dans l'identité et la conscience collectives du monde musulman.
Sur le plan géologique, la péninsule Arabique est célèbre pour ses vastes réserves de pétrole et de gaz, qui font de cette région une des plus riches en ressources énergétiques de la planète. La découverte de pétrole au XXe siècle a transformé les économies des pays de la péninsule, en particulier l'Arabie Saoudite, le Koweït, les Émirats arabes unis, le Qatar et le Bahreïn, les propulsant sur la scène mondiale comme acteurs clés dans l'économie énergétique. L'abondance de ces ressources a entraîné d'importants investissements dans les infrastructures et a généré d'énormes revenus, permettant à ces États de jouer un rôle influent dans la politique et les finances internationales.
Le Yémen et Oman, bien que riches en histoire et en culture, ont des économies qui ne reposent pas autant sur les hydrocarbures. Le Yémen, en particulier, fait face à des défis de développement significatifs et à une situation humanitaire difficile exacerbée par des conflits prolongés. La péninsule Arabique est également une région de grande importance stratégique du fait de sa position géographique, contrôlant des routes maritimes clés telles que le détroit d'Ormuz et le détroit de Bab-el-Mandeb. Ces points de passage sont essentiels pour le transport mondial de pétrole, et leur sécurité est une préoccupation majeure pour les pays consommateurs d'énergie du monde entier.
La péninsule Arabique est un espace qui conjugue une signification religieuse profonde, une abondance de ressources naturelles et une position stratégique cruciale, ce qui en fait un pivot de l'économie mondiale et de la politique internationale. Les pays de la péninsule naviguent entre la préservation de leur héritage culturel et religieux et l'adaptation aux dynamiques économiques et politiques contemporaines, dans un équilibre qui continue d'influencer la région et au-delà.
L'Ethiopie et ses liens historiques avec le Moyen-Orient
L'Éthiopie, située dans la Corne de l'Afrique, a des liens profonds avec le Moyen-Orient qui transcendent les frontières géographiques. Ces liens sont ancrés dans une histoire partagée de commerce, de religion et d'échanges culturels. Historiquement, l'Éthiopie était connue comme le royaume d'Abyssinie, un empire qui maintenait des relations avec les royaumes arabes et le Moyen-Orient depuis l'antiquité.
L'Éthiopie est le foyer de l'une des plus anciennes traditions chrétiennes au monde, l'Église orthodoxe éthiopienne, qui, selon la tradition, a été établie au IVe siècle après J.C. Cette tradition religieuse partage certaines racines avec les traditions religieuses du Moyen-Orient, notamment le christianisme oriental et le judaïsme. L'histoire éthiopienne est également intimement liée à l'islam, avec l'un des premiers hijras (exode) des musulmans persécutés de la Mecque vers l'Abyssinie, recherchant la protection du roi chrétien éthiopien de l'époque, un événement respecté dans la tradition islamique.
La position de l'Éthiopie en tant que carrefour entre l'Afrique et le Moyen-Orient est renforcée par sa proximité avec la péninsule Arabique, séparée seulement par la mer Rouge et le golfe d'Aden. Les échanges commerciaux ont longtemps traversé ces eaux, transportant des épices, de l'or et d'autres marchandises précieuses, facilitant ainsi un riche métissage de cultures et de peuples. En termes géopolitiques, l'Éthiopie et la Corne de l'Afrique sont devenues de plus en plus pertinentes pour la sécurité et la politique du Moyen-Orient, notamment en raison des conflits régionaux et des problèmes de sécurité maritime. De plus, l'Éthiopie est un acteur clé dans la gestion des ressources en eau du Nil, un sujet de préoccupation majeure pour les pays en aval comme l'Égypte et le Soudan. Dans le contexte actuel, l'Éthiopie est confrontée à ses propres défis internes, y compris des tensions ethniques et politiques, mais son rôle dans la région continue d'être influencé par ses liens historiques et contemporains avec le Moyen-Orient. Ces connexions soulignent la nature interconnectée de la région et la manière dont les histoires de diverses nations sont entrelacées à travers le temps et l'espace.
La carte représentant le Moyen-Orient et ses régions environnantes dépeint une zone du monde où la géographie a joué un rôle primordial dans le façonnement de l'histoire humaine. Les déserts vastes et arides, tels que le Sahara et le désert Arabique, ont servi de barrières naturelles mais aussi de corridors de communication et d'échanges culturels, influençant les routes caravanières et les échanges entre les civilisations. Les vallées fertiles du Croissant fertile, irriguées par les systèmes fluviaux légendaires du Tigre et de l'Euphrate, ont vu naître l'agriculture et les premières grandes villes de l'histoire humaine. Ces terres riches ont non seulement favorisé le développement des premières civilisations urbaines mais ont également été le théâtre de nombreux conflits historiques en raison de leur grande valeur agricole et stratégique. Les montagnes, comme celles de l'Atlas en Afrique du Nord et du Taurus en Anatolie, ont servi de refuges et de forteresses naturelles tout au long de l'histoire, offrant protection et isolant les peuples et les cultures, permettant ainsi le développement de langues et de traditions uniques. En même temps, elles ont constitué des obstacles pour les armées en marche, modelant ainsi les stratégies militaires et les frontières des empires. Quant aux centres urbains historiques qui parsèment cette région, de Bagdad à Damas, de Jérusalem à Istanbul, ils sont les témoins vivants des époques révolues. Ces villes, souvent établies en raison de leur situation géographique stratégique ou de leur proximité avec l'eau et les terres fertiles, ont été des centres de pouvoir, de commerce et de culture, influençant grandement l'évolution de la région.
Aujourd'hui, ces mêmes caractéristiques géographiques continuent d'influencer les enjeux contemporains. Les ressources en eau sont devenues des points de contention cruciaux dans les relations internationales, les terres fertiles sont au cœur des préoccupations environnementales et les itinéraires commerciaux historiques sont repris dans les débats sur la mondialisation et la sécurité. La géographie du Moyen-Orient et des régions adjacentes, avec sa diversité et sa complexité, reste donc un facteur déterminant des dynamiques politiques, économiques et sociales.
Annexes
- Cleveland, William L., and Martin Bunton. A history of the modern Middle East. Hachette UK, 2016.
- Goldschmidt Jr, Arthur, and Aomar Boum. A concise history of the Middle East. Hachette UK, 2015.
- Lewis, Bernard. The multiple identities of the Middle East. New York: Schocken Books, 1998.
- Little, Douglas. American orientalism: the United States and the Middle East since 1945. Univ of North Carolina Press, 2008.